Führung: Martha Hofberger, Matthias Widmann, Thomas Brock (Bericht)
1.Tag: Voller Motivation starteten 9 erwartungsfrohe Hochgebirgler am Vereinsheim in Aichach Richtung Schweiz. Am Parkplatz der Diavolezza-Bergbahn waren dann alle 10 Teilnehmer versammelt und der Aufstieg zur Diavolezza, eher Berghotel als Hütte, ging leicht und fröhlich von Hand. Das Ziel des nächsten Tages, der Piz Palü mit seinen drei schneebedeckten Gipfeln, hüllte sich noch in Wolken. Dennoch war die atemberaubende Kulisse der sich vor uns aufbauenden Berge schon zu erahnen. Nach einem leckerem aber nicht übermäßig reichlichen Abendessen ging es für eine kurze Nacht ins Bettenlager.
2.Tag: Morgens, 3.00 Uhr klingelt der Wecker. Trotz der frühen Stunde ist die Vorfreude aller deutlich zu spüren. Mit einem durch das überraschend vielseitige Frühstück gefüllten Bauch gehen wir nun endlich in Richtung Gletscher. Vor uns zeigte sich der Berg im Morgenlicht von seiner schönsten Seite, und die Spur lag nun klar vor uns. Man begann mit jedem Schritt die wachsende Höhe zu spüren. Den Aufstieg über den von einigen Spalten gesäumten Gletscher konnten wir trotzdem alle genießen. Bei unerwartet hohen Windgeschwindigkeiten und niedrigen Temperaturen erreichten wir im schönsten Sonnenschein über den Ostgrat zuerst den Ostgipfel und über einen wenig schwierigen Schneegrat endlich freudentaumelnd den Hauptgipfel des Piz Palü (3.900 m). Der Abstieg über den fast kaum zu bemerkenden Westgipfel und den einfach zu kletternden Spinasgrat (II) bereitete allen Teilnehmern, ob mit oder ohne Steigeisen an den Füßen, große Freude. Die letzten Meter zur Hütte Marco e Rosa waren durch die traumhaft und beinahe bizarr anmutenden Séracformationen der Bellavista besonders beeindruckend. Nach einem einfachen, aber reichlichen Abendessen fielen wir erschöpft ins Bett.
3.Tag Der Wecker um 5.00 Uhr morgens war wenig störend im Anbetracht des Zieles – des Piz Bernina. Nach einem typischen italienischen Frühstück stiegen wir über den steilen, dafür aber kurzen, Gletscheraufschwung zum Beginn des Spallagrates (II) auf. Hier zunächst die ernüchternde Einsicht, dass leider viele Bergsteiger dasselbe Tagesziel hatten. Trotz Staus, Wartezeiten und Seilsicherung erreichten wir mit Freude im Herzen und einem Lächeln auf den Lippen nach einer fantastische-schönen Kletterei den Gipfel des höchsten Berges der Ostalpen (4.048 m). Ein Ausruf des Glücks seitens eines der Teilnehmer gab dem Gefühl der Begeisterung in unserer Brust den besten Ausdruck. Für 3 der Gipfelstürmer der erste 4000er. Was für ein Hochgefühl! Der Abstieg und das Abseilen ebenfalls über den Spallagrat ging schnell, und wir traten nach kurzer Rast den Rückweg zur Diavolezza an. Abermals vorbei an den gewaltigen Eisformationen der Bellavista und weiter zum Fortezzagrat. Die Abseilstellen waren bald gefunden und alle Teilnehmer befanden sich sicher am Ende des Grates. Man merkte die immer schwerer werden Beine, die Anstrengung der letzten Tage waren deutlich spürbar, aber die Diavolezza war bereits in Sichtweite. Über Schneefelder und aperen Gletscher führten uns die letzten Meter bis zur letzten Herausforderung des Tages: der zermürbende Gegenanstieg zur Hütte hinauf. Doch auch dieser war bald geschafft, und wir saßen glücklich und zufrieden auf der Sonnenterasse und genossen bis zum späteren Abend in ausgelassener Stimmung das Erlebte. Am nächsten Tag brachte uns die Bergbahn zurück ins Tal und einige von uns traten, um einige wertvolle Erfahrungen reicher, die Heimfahrt an.
Im Anschluss an die Führungstour Piz Palü / Piz Bernina stellten sich noch fünf der Teilnehmer der privaten Herausforderung des Biancogrates auf den Piz Bernina. So genossen wir gleich im Anschluss den Aufstieg durch das paradiesisch anmutende Val Rosegg hinaus zur Tschiervahütte. Nach einem mehr als guten Abendessen legten wir uns mit großer Vorfreude ins Bett. In der Nacht um 2:45 Uhr rief der schon fast gewohnte Klingelton zum Aufbruch. Der erhabene Biancograt zeichnete sich bereits jetzt gegen den sternenerleuchteten Nachthimmel ab. Mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Begeisterung stiegen wir trotz kurzer Wegfindungsstörung über den steilen Gletscher zur Fuorcla Prievlus auf. Nach kurzer Erholungspause führte uns der erste Felsgrat in wunderschöner Kletterei (II bis III) einschließlich luftiger Abseilstelle bis zum Beginn des eigentlichen Biancogrates. Hier verstanden wir nun den Zauber um diesen Mythos, der jeden Bergsteiger in seinen Bann zieht. Über den Firngrat stiegen wir bei perfekten Bedingungen, zuerst im tollen Bergpanorama, später in zunehmend umschlossener Wolkendecke, zum Piz Bianco auf. Hier lockte der zweite Felsteil mit zwei Abseilstellen, einem sehr interessanten Übertritt und griffiger Kletterei bis zum III Grat. Als wir am Gipfel anlangten fielen wir uns jubelnd in Arme und störten uns dabei nicht am Wetter, das uns nun vollends in Wolken hüllte. Da schon die ersten Schneeflocken fielen, beeilten wir uns mit dem Abstieg über den Spallagrat und erreichten am frühen Nachmittag die Marco e Rosa Hütte, in der wir aufgrund des schlechten Wetter müde aber glücklich die Nacht verbringen durften. Am nächsten Morgen ging der bereits bekannte Abstieg über Bellavista und Fortezzagrat flott vonstatten. So saßen wir bald abermals überglücklich und das wohlverdiente Bier trinkend auf der Terrasse der Diavolezza Hütte. Der Abstieg musste diesmal zu Fuß erledigt werden, und wir konnten kurz nach Mittag die Heimreise antreten. Ein großartiges Bergabenteuer das wir so schnell nicht vergessen werden.
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