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Abenteuer Balkan – Mit dem MTB auf der Trans Dinarica

Tourenleitung und Bericht: Christian Treml

Das Dinarische Gebirge ist ein europäisches Hochgebirge im Balkan. Es erstreckt sich über rund 700 Kilometer von den Südalpen in Slowenien bis nach Albanien und zählt zu den ursprünglichsten Gebirgslandschaften Europas. Schroffe Kalksteinberge, tief eingeschnittene Schluchten, türkisfarbene Flüsse und abgelegene Bergdörfer prägen die Region. Drei Mitglieder unserer MTB-Gruppe machten sich Mitte Mai auf, um diese Gegend ausführlich zu erkunden.

Der erste Fahrtag begann in der Nähe von Split und führte hinauf zum Vaganj-Pass, wobei kurz vor der Passhöhe die Grenzstation nach Bosnien erreicht war. Von der Abfahrt blieb als Rest der „Eisheiligen“ insbesondere der eisige Gegenwind in Erinnerung.

Der nächste Tag führte die Gruppe tief ins Hinterland Bosniens. Bis zum Rujište-Pass ging es bei stundenlanger Einsamkeit durch verlassene Dörfer und über weite Karstflächen, bis nach einer schier endlosen Abfahrt zunächst der malerisch zwischen steilen Bergen liegende Boračko-See und schließlich das Camp Hitko erreicht war, wo für den nächsten Tag eine Rafting-Tour gebucht war.

Gleich nach dem Frühstück ging es daher auf den Neretva-River, der berühmt ist für sein smaragdgrünes, glasklares und „actionreiches“ Wildwasser. Am Nachmittag ging es wieder aufs Bike, hinauf zum nächsten Pass in Richtung Tušila. Unterwegs waren die Spuren des Kriegs noch immer sichtbar und mehrfach warnten Schilder vor Minenfeldern entlang der Strecke. Auf der Berghütte traf man auf Biker aus aller Welt - darunter aus Kalifornien, Schottland und Dänemark – und gemeinsam ließ man den Abend gemütlich ausklingen.

Am nächsten Tag ging wieder weit ins Landesinnere in Richtung Montenegro. Die Ortschaften entlang der Route hatten schon bedeutend bessere Zeiten erlebt und fast nichts war geöffnet. So war die Verpflegung für über 100 Kilometer schwierig, und nur ein kleiner Kiosk an einer einsamen Tankstelle servierte schließlich typisch bosnische Fleischgerichte.

Der nächste Tag war mit rund 2200 Höhenmetern und 89 Kilometern Wegstrecke die Königsetappe der Tour. Eine lange Auffahrt führte in Richtung Prutaš, einem 2.393 Meter hohen Gipfel im beeindruckenden Durmitor-Nationalpark, wobei die Landschaft zunehmend alpiner wurde und kahle Felsformationen, weite Hochebenen und schneebedeckte Gipfel das Bild bestimmten. Auf knapp 2000 Metern Höhe musste man sich teilweise noch durch Restschneefelder kämpfen, bevor es auf einem traumhaften Trail durch die einsame Bergwelt hinunter ging zum „Eco Seloging Nevidio“, der mit Abstand besten Tour-Unterkunft, die mit gemütlichen privaten Hütten und traditionellen montenegrischen Gerichten überraschte.

Am letzten Tag stand noch der Pass von Šavnik in Richtung Nikšić auf dem Programm. Die Strecke verläuft über eine der landschaftlich faszinierendsten und modernsten Passstraßen Montenegros. Sie führt über das windanfällige Krnovo-Hochplateau und verbindet die raue Bergwelt des Durmitor-Massivs mit dem zentralen Tiefland des Landes. Noch einmal konnte man weite Ausblicke über die kargen Hochflächen und einsamen Gebirgszüge des Balkans genießen. Nach der Ankunft in Nikšić brachte ein Taxi die Mannschaft samt Räder zurück nach Kroatien.

Mit insgesamt rund 530 Kilometern und etwa 10.000 Höhenmetern ging dort eine der abenteuerlichsten MTB-Sektionstouren der letzten Jahre zu Ende.