Nach bereits drei erfolgreichen Alpenüberquerungen machen sich unsere Nachwuchs-Mountainbiker auch dieses Jahr wieder auf den Weg zum Gardasee. Diesmal steht eine durchaus anspruchsvolle Route durch die faszinierende Bergwelt der Dolomiten auf dem Programm – seit 2009 UNESCO-Welterbe und damit eine ganz besondere Kulisse für unsere Tour.
In den Dolomiten gibt es bekanntlich nur wenige flache Abschnitte, dafür aber umso mehr hohe Pässe und anspruchsvolle Anstiege. Teilweise können wir die Anstiege durch die vorhandenen Liftanlagen vor Ort etwas entschärfen und haben dadurch umso mehr Zeit und Energie für zahlreiche Trailabfahrten.
Gestartet wird kurz vor Brixen, direkt am Pendlerparkplatz an der Brennerausfahrt. Von dort rollen wir uns die ersten 30 Kilometer auf dem Radweg ins Pustertal ein. Nach der Mittagspause bei Bruneck trennt sich die Gruppe. Während die Erwachsenen die entspannte Variante auf Teer nach St. Vigil wählen, geht es für die Jungs ab in den Bikepark am Kronplatz. Dort können sie sich richtig austoben und haben sichtlich viel Spaß bei den Abfahrten, während die Eltern den ersten Aperol in der Sonne genießen.
An Tag zwei starten wir bei schönstem Wetter direkt ins Herz des Naturparks Fanes-Sennes-Prags. Der Großteil der dortigen Mountainbiker fährt weiter zur Fanes-Hütte und anschließend über das Limojoch. Unsere Tour führt jedoch in Richtung Sennes-Hütte, wobei wir Anstiege von bis zu 25 % zu bewältigen haben. Dafür feuern uns die italienischen Bergwanderer bei der Auffahrt kräftig an, und einige von uns schaffen die steilen Rampen tatsächlich ohne abzusteigen. Die Landschaft dort ist so atemberaubend, dass sie selbst in den schönsten Magazinen kaum besser aussehen könnte.
Kurz vor dem Mittagsstopp in Cortina d’Ampezzo bekommen wir noch die Reste des Olympischen Dorfs zu sehen. Dieses befindet sich etwas außerhalb von Cortina und wurde eigens für die Olympischen Winterspiele 2026 errichtet. Montag in Cortina – und gefühlt ganz Italien ist schon auf den Beinen. Im Stadtzentrum herrscht reger Betrieb und von Ruhe keine Spur.
Mit etwas Hilfe von zwei Liften geht es weiter zu den Cinque Torri. Die fünf markanten Felstürme ragen dort mitten aus der Landschaft, und auch hier ist der Besucherandrang bereits enorm und fast schon etwas zu viel. Die letzten 200 Höhenmeter gilt es dann aber doch noch aus eigener Kraft zu bewältigen, bevor wir über eine kilometerlange Traumabfahrt unser Etappenziel Alleghe erreichen.
Auch am dritten Tag geht es wieder mitten durch die eindrucksvolle Gebirgslandschaft der Dolomiten. Von Molino nach Le Buse nimmt uns erneut ein Lift einige Höhenmeter ab und bringt uns zügig in Richtung Pala-Gruppe. Zunächst begleiten uns noch Wolken und leichter Regen – tatsächlich die einzigen Stunden mit schlechtem Wetter während der gesamten Tour. Doch dann reißt der Himmel auf und gibt den Blick auf die gewaltigen Gipfel der Pala-Gruppe frei. Zum Abschluss wartet vom Passo Rolle hinunter nach San Martino di Castrozza noch ein richtig feiner Flowtrail auf uns.
Der nächste Tag startet mit der Liftauffahrt hinauf zur Tognola. Von dort wartet eine weitere Flow-Abfahrt im Bikepark hinunter zur Malga Tognola. Der folgende S2-Wurzeltrail ist durchaus fordernd, sorgt bei allen Teilnehmern aber für sichtlich viel Spaß.
Die nächsten 600 Höhenmeter haben es noch einmal in sich und müssen teilweise hart erkämpft werden. Dafür werden wir anschließend mit einer schier endlosen Trail-Abfahrt und rund 1.400 Tiefenmetern belohnt.
Nach der etwas späteren Mittagspause steht der finale Anstieg zum Passo Brocon an. Diesmal geht es auf Teer bergauf, und so sind die 800 Höhenmeter bereits nach rund 1½ Stunden geschafft.
Leider stürzt ein Teilnehmer bei der Abfahrt etwas unglücklich und muss zur Untersuchung ins Krankenhaus. Für die Auffahrt zum Etappenziel, dem Rifugio Barricata, steht anschließend im Valsugana-Tal ein Shuttle für uns bereit.
Ab Tag 5 wird es geschichtsträchtig. Vom Rifugio Barricata geht es hinauf auf die Hochebene von Asiago. Dort fahren wir auf alten Versorgungswegen aus dem Ersten Weltkrieg über die Kaiser-Karl-Straße bis zum Bivio Italia. Mitten auf dem Weg machen wir Bekanntschaft mit einer Gruppe italienischer Vogeljäger – das ist dort leider tatsächlich noch erlaubt. Diese laden uns kurzerhand schon am Vormittag um 10 Uhr auf ein Glas Wein und ein Stück Käse ein.
Immer wieder stoßen wir von nun an auf die Spuren des Ersten Weltkriegs. Vorbei am ziemlich verfallenen Forte Verle besichtigen wir die Festungen Luserna und Belvedere. Während vom Forte Verle nicht mehr viel erhalten ist, befindet sich das Forte Belvedere noch weitgehend im Originalzustand. Vor allem ein Blick ins Innere vermittelt einen bleibenden Eindruck davon, unter welchen Bedingungen die Soldaten damals leben mussten.
Am Zielort Lavarone steuern wir zuerst den gleichnamigen Lavarone-See zur wohlverdienten Abkühlung an. Am Abend überrascht uns dann noch ein Konzert im Dorfzentrum, das bis spät in den Abend hinein für Stimmung sorgt.
Auch am nächsten Tag gibt es wieder einiges zu entdecken. Die alten Festungen Forte Cherle und Forte Sommo Alto sind frei zugänglich und teilweise von weit verzweigten Tunnelsystemen durchzogen. Die Jungs wagen sich in einen der Tunnel und verschwinden unter der Festung, bevor sie rund 200 Meter weiter wieder ans Tageslicht kommen.
Der Nachmittag bringt uns vom Passo Coe hinauf zum Monte Maggio. Den letzten Abschnitt müssen wir allerdings größtenteils schieben. Bei Windböen von bis zu 80 km/h sitzt dort ohnehin keiner mehr sicher im Sattel.
Auch die Abfahrt startet zunächst etwas ruppig, bevor der Trail im unteren Teil wieder richtig Spaß macht. Mitten im Hang steht dort ein alter LKW, der dort gefühlt schon seit 100 Jahren steht. Wie der dort hingekommen ist? Keine Ahnung! Einen Weg dorthin gibt es jedenfalls weder von oben noch von unten.
Der finale Anstieg zum Passo Xomo zehrt schließlich an den letzten Kräften. Bei schwül-warmem Wetter sind am Ende alle komplett nassgeschwitzt.
Dafür gibt es abends im Rifugio Xomo das mit Abstand beste Essen der Tour. Rindfleisch auf heißem Stein und Steinpilz-Lasagne haben wir hier wirklich nicht erwartet.
Tag 7 – Finale am Pasubio. Der nächste Morgen beginnt direkt nach dem Frühstück mit einem rund 1.200 Höhenmeter langen Anstieg auf der „Strada degli Scarubbi“ zum Rifugio Generale Achille Papa. Vorbei am Eingang der berühmten „Strada delle 52 Gallerie“ geht es hinauf ins Herz des Pasubio.
Der Berg trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Blutberg“. Im Ersten Weltkrieg verläuft hier eine der schwierigsten Fronten zwischen Italien und Österreich-Ungarn. Tausende Soldaten verlieren in den Kämpfen rund um den Pasubio ihr Leben. Die alten Militärwege, Stellungen und Tunnel zeugen noch heute von den Kämpfen, die sich hier in über 2.000 Metern Höhe abspielen.
Vom Gipfel des „Dente Italiano“ ist der Gardasee zwar noch nicht zu sehen, doch das Ziel liegt bereits zum Greifen nah. Eine der längsten und besten Abfahrten der gesamten Tour wartet auf uns. Knapp 2.000 Tiefenmeter auf genialen Trails – mehr kann sich ein Mountainbiker kaum wünschen.
Von Rovereto aus geht’s nur noch das kurze Stück zum „Passo San Giovanni“ hoch und man kann schon gefühlt in den Gardasee springen.
Eine super Woche geht zu Ende. Traumhafte Panoramen, die faszinierende Welt der Dolomiten, Geschichte live erleben und Trails von super Flow bis zu knackigen S3-Passagen. Dazu jede Menge Spaß, Abenteuer und gemeinsame Erlebnisse – eine Woche, an die wir noch lange zurückdenken werden.
Insgesamt bewältigen die Jungs in sieben Tagen rund 10.000 Höhenmeter und 420 Kilometer. Durch die Unterstützung von Liften und Shuttle kommen bei den Abfahrten sogar rund 15.000 Tiefenmeter zusammen. Eine starke Leistung für unsere Jungs im Alter von 14 und 15 Jahren!
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